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„Compacts with Africa”: Wirksamer Hebel für Privatinvestitionen?

Megatrends Spotlight 56, 10.08.2026

Die „Compact with Africa”-Initiative der G20 wollte mittels Reformen die nötigen Voraussetzungen schaffen, um private Investitionen für afrikanische Länder zu mobilisieren. Fast zehn Jahre nach Beginn der Initiative analysieren Rainer Thiele und Tomke Necker Wirksamkeit und strukturelle Defizite.

Mit den Compacts with Africa (CwA) etablierte die deutsche G20-Präsidentschaft im März 2017 einen neuen Ansatz, wirtschaftliche Partnerschaften mit afrikanischen Ländern zu stärken. Anders als bei der klassischen Entwicklungszusammenarbeit liegt der Fokus auf der Schaffung investitionsfreundlicher Rahmenbedingungen, um dringend benötigtes Kapital für die wirtschaftliche Entwicklung zu mobilisieren. Knapp ein Jahrzehnt nach der Einführung gehen wir der Frage nach, inwieweit die Versprechen der CwA-Initiative eingelöst werden konnten – die wenigen bisher vorliegenden empirischen Befunde deuten auf einige Erfolge hin, legen aber auch weiteren Forschungsbedarf nahe. Angesichts der rückläufigen öffentlichen Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Mobilisierung privaten Kapitals. Eine empirische Bewertung der Wirksamkeit der CwA-Initiative ist daher relevanter denn je.

Zwei Generationen „Compacts with Africa”

Die CwA-Initiative wurde mit der Absicht ins Leben gerufen, ein attraktiveres Investitions- und Geschäftsumfeld für private Investitionen in reformorientierten afrikanischen Ländern zu schaffen. Damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass ein Großteil des Kapitalbedarfs für Afrikas wirtschaftliche Entwicklung aus nichtstaatlichen Mitteln gedeckt werden muss und die Höhe der Privatinvestitionen auf dem Kontinent deutlich hinter anderen Regionen zurückgeblieben war.

Aktuell nehmen 15 Staaten an der CwA-Initiative teil. Zuletzt wurden Sambia und Angola 2025 aufgenommen. Koordiniert und überwacht werden die Aktivitäten der Initiative durch die African Advisory Group (AAG). Dabei handelt es sich um ein zentrales Steuerungsgremium der G20, welches die Erarbeitung und Umsetzung der Compacts begleitet und über den Stand der Entwicklungen der Initiative berichtet. Die kontinuierliche Begleitung durch die AAG soll sicherstellen, dass Reformfortschritte regelmäßig evaluiert und mögliche Herausforderungen frühzeitig erkannt werden. So wird ein institutioneller Rahmen für Koordination, Monitoring und strategische Weiterentwicklung geschaffen, wobei sich letzteres besonders in den zwei Entwicklungsphasen der Initiative widerspiegelt.

In der ersten Phase von 2017 bis 2024 wurde das Hauptaugenmerk auf makroökonomische Rahmenbedingungen sowie einen Rahmen für unternehmerische Aktivitäten und Finanzierung gelegt. Dadurch sollen gesamtwirtschaftliche Stabilität erreicht, bürokratische Hürden abgebaut und Risiken für Investoren gesenkt werden. Zur Bilanz der ersten Phase zählen die Unterstützung von mehr als 1700 Firmen durch individuelle Beratung, Training und Workshops sowie die Förderung von Investitionsvorhaben in den Bereichen Tourismus, Agribusiness und Energie, die u.a. vereinfachte Gesetze und Regulierungen beinhaltet. Laut Weltbank erreichte die Initiative mit den angebotenen Dienstleistungen 13,5 Millionen Menschen. 

Seit 2025 läuft die zweite Phase unter dem Namen ,,Compacts with Africa 2.0‘‘. Dabei verschiebt sich der Fokus: weg von eher allgemeiner Reformunterstützung, hin zu konkreten Investitionen. Eine besondere Veränderung stellt die Einführung des sogenannten Multi-Donor Trust Funds dar. Damit wird ein zentrales Finanzierungsinstrument geschaffen, das Gelder verschiedener Geberländer bündelt, um gezielt private Investitionen zu mobilisieren, Beratungsdienstleistungen zu ermöglichen und technische Hilfe zu finanzieren. Dies soll zu einer Verbesserung der Umsetzung von Reformen beitragen. Besonders Privatinvestitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen sollen nun direkt vorangetrieben werden zum Beispiel durch konkrete technische Hilfe bei der Implementierung individueller Projekte. So soll eine engere Verknüpfung von Reformen und Investitionsmöglichkeiten erzielt und die Entwicklung von nachhaltigen Wertschöpfungsketten gefördert werden. Entsprechend zielt CwA 2.0 stärker als CwA 1.0 auf messbare Ergebnisse ab. Allerdings bleibt auch in CwA 2.0 unbestimmt, wie die Unterstützungsmaßnahmen sich konkret in mehr Investitionen und langfristig in Wachstum niederschlagen, d.h. es fehlt eine ausformulierte „Theory of Change“.

Vielversprechende Idee, unzureichende Implementierung

Die Kernidee der CwA-Initiative, eine Verbesserung der oft unzureichenden institutionellen Rahmenbedingungen für private Investitionen in Afrika zu erreichen und den Fokus auf makroökonomische Stabilität zu lenken, kann grundsätzlich als sinnvolle Erweiterung der bestehenden Kooperation mit afrikanischen Staaten angesehen werden. Durch langfristig angelegte institutionelle Verbesserungen können Signalwirkungen gegenüber internationalen Investoren entstehen und die Förderung von Direktinvestitionen als Hebel für Wachstum, Beschäftigung und Technologietransfer erreicht werden. Weniger klar ist, über welchen Kanal die Initiative konkret wirken soll. Die Compacts waren bis zur Einrichtung des Multi-Donor Trust Funds weder mit nennenswerten Finanzmitteln noch mit Konditionalität ausgestattet. Sie können daher nicht als klassisches Anreizinstrument funktionieren, sondern wirken eher als Selbstbindungsinstrument. Sie geben reformwilligen Regierungen ein Dokument, auf dass sie sich gegenüber der eigenen Bürokratie und innenpolitischen Gegnern berufen können. Außerdem macht der Compact Reformschritte öffentlich sichtbar. Wenn eine Reformabsicht bereits innenpolitisch existiert, können die Compacts diese unterstützen, selbst erzeugt die Initiative jedoch keine Reformen. Die CwA-Initiative richtet sich streng genommen nur an reformorientierte Regierungen, die Aufnahmekriterien wurden aber in mehreren Fällen sehr wohlwollend ausgelegt.  

Obwohl es einen breiten Konsens gibt, dass Afrika mehr Privatinvestitionen braucht und dafür geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, ist die CwA-Initiative von Beginn an auf Kritik gestoßen, die sich in erster Linie an der Frage der Ownership der Reformagenda festgemacht hat. Die Erfahrungen der Strukturanpassungsprogramme der 1980er- und 1990er-Jahre zeigen deutlich, dass von außen auferlegte Reformen als Voraussetzung für finanzielle Unterstützung nicht zu den erhofften positiven Ergebnissen führen, weil sich die lokalen Regierungen nicht mit den Reformen identifizieren und sie deshalb auch nicht umsetzen. Ähnlich verhält es sich nach Ansicht der Kritiker mit den Reformen der CwA-Initiative.

Ist diese Kritik berechtigt? Im Unterschied zu den Strukturanpassungsprogrammen können sich Länder für eine Mitgliedschaft in der CwA-Initiative mit Vorschlägen für Reformprogramme bewerben, die ihre eigenen Prioritäten widerspiegeln. Dennoch werden die Inhalte im Implementierungsprozess maßgeblich durch externe Akteure (Afrikanische Entwicklungsbank, Weltbank, G20, IWF) geprägt. Damit besteht die Gefahr, dass Reformen weniger aus innenpolitischen Überzeugungen als aus externem Druck resultieren. Afrikanische Partner implementieren die Reformen eigenständig, gestalten sie aber möglicherweise nur begrenzt mit. Dies macht sie anfällig für Rückschritte oder Revisionen, sollte es einen Regierungswechsel geben. Die AAG soll die afrikanische Mitsprache sicherstellen, um dieses Problem abzumildern. Ergänzend dazu setzt die CwA-Initiative auf einen Peer-Learning-Ansatz, in dessen Rahmen afrikanische Länder voneinander lernen und gegenseitig im Reformprozess bewertet werden sollen. In mittlerweile über 20 Peer-Learning-Sessions zu Themen wie Diversifizierung, Blended Finance, Domestic Resource Mobilization und Public-Private Partnerships werden länderspezifische Erfahrungen geteilt und diskutiert. Äthiopien etwa präsentierte 2019 im Rahmen eines solchen Workshops seine Erfahrungen mit erfolgreichen Reformen zur Diversifizierung der Privatwirtschaft und teilte bereits erworbenes Wissen mit anderen CwA-Ländern. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass diese Peer-Learning-Prozesse nur begrenzt wirksam bleiben, wenn die Reforminhalte weiterhin überwiegend von externen Akteuren definiert werden. In den Compacts with Africa 2.0 wird dieser Kritik Rechnung getragen, indem durch den Multi-Donor Trust Fund mehr Raum für afrikanische Prioritäten geschaffen wird. Insgesamt erreicht die CwA-Initiative eine wesentliche Stärkung der afrikanischen Agency im Vergleich zu den Strukturanpassungsprogrammen, auch wenn es weiterhin Machtasymmetrien zwischen der G20, den internationalen Finanzinstitutionen und den afrikanischen Mitgliedstaaten gibt. Letztere werden sich nicht vollständig eliminieren lassen, könnten aber womöglich weiter reduziert werden, wenn stärker auf afrikanische Konzepte wie die Agenda 2063 Bezug genommen würde. 

Zwei weitere Aspekte könnten sich negativ auf den Grad der Zielerreichung bei den Privatinvestitionen auswirken. Insbesondere mittelständische Unternehmen nennen nicht nur Mängel in den institutionellen Rahmenbedingungen, sondern auch das Fehlen gut ausgebildeter lokaler Arbeitskräfte als Ursache für das zurückhaltende Engagement in Afrika. Vor diesem Hintergrund ist es als Schwachstelle der CwA zu interpretieren, dass für Fort- und Weiterbildung in der Initiative keine explizite Rolle vorgesehen ist. Zum anderen sind die CwA stark auf die Förderung ausländischer Direktinvestitionen ausgerichtet, während die Stärkung inländischer Investitionen – etwa durch verbesserte Finanzierungsbedingungen – weniger Raum einnimmt, obwohl Inlandsinvestitionen den Löwenanteil der Gesamtinvestitionen ausmachen und durch sie weit mehr Arbeitsplätze als durch Auslandsinvestitionen geschaffen werden.

Neben diesen strukturellen Fragen, die die Wirksamkeit der CwA als Instrument zur Förderung von Privatinvestitionen betreffen, stellen sich auch Fragen der Nachhaltigkeit. Die CwA-Initiative setzt stark auf Wachstum durch Investitionen, ohne die damit verbundenen sozialen und ökologischen Risiken systematisch in den Blick zu nehmen. Die erhöhten ausländischen Direktinvestitionen können etwa unter bestimmten Bedingungen zu einer zusätzlichen CO2-Belastung beitragen, und Investitionen im Agribusiness-Sektor können Land- und Ressourcenkonflikte begünstigen. Eine Verknüpfung der Investitionsziele mit sozial- und umweltpolitischen Zielen dürfte zwar zu einer Überfrachtung der CwA-Initiative führen. Analysen der großen sozialen und ökologischen Risiken könnten aber die Nebenwirkungen zusätzlicher privater Investitionen sichtbar machen und Gegenmaßnahmen erleichtern.

Die Compacts with Africa auf dem empirischen Prüfstand

Haben die CwA nun trotz einiger konzeptioneller Schwächen ihre wirtschaftlichen Ziele erreicht? Als problematisch bei der empirischen Einordung der CwA-Initiative erweist sich vor allem, dass quantitative Analysen zwar auf positive Zusammenhänge zwischen der Compact-Mitgliedschaft und ausländischen Direktinvestitionen verweisen, die Kausalität dieser Effekte jedoch schwer nachzuweisen ist. So zeigt eine aktuelle Studie des International Monetary Fund (2025), dass die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen in Mitgliedsstaaten der CwA im Durchschnitt höher ausfallen als in vergleichbaren afrikanischen Staaten, welche nicht an der Initiative teilnehmen. Allerdings kann kein eindeutiger kausaler Effekt festgestellt werden, weil die Mitgliedsstaaten bereits vor der Einführung der Initiative stärkere Zuflüsse von ausländischen Direktinvestitionen verbuchen konnten. Da die institutionellen Rahmenbedingungen in den Mitgliedsstaaten bereits vor der Einführung der Initiative 2017 im Durchschnitt als vorteilhafter galten und zusätzliche Schlüsselfaktoren, die Direktinvestitionen anziehen, verstärkt gegeben waren, erweist sich der kausale Vergleich als schwierig. Gbadegesin und Yameogo (2024) vergleichen Compact-Teilnehmer mit einer Kontrollgruppe relativ ähnlicher afrikanischer Länder, können aber ebenfalls keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang identifizieren. Sie stellen signifikant positive Effekte auf Direktinvestitionen und Exportwachstum durch die Teilnahme an der CwA-Initiative fest. Diese Impulse scheinen sich bislang jedoch nicht in einem allgemeinen wirtschaftlichen Fortschritt niederzuschlagen: Für Bruttoanlageinvestitionen und das Pro-Kopf-Einkommen lassen sich keine entsprechenden Verbesserungen feststellen.

Weiterhin fehlen belastbare systematische Analysen, die untersuchen, ob kurzfristige Investitionsimpulse in langfristige strukturelle Entwicklungen übergehen. Künftige Forschung sollte daher stärker in den Blick nehmen, unter welchen institutionellen und politischen Bedingungen die Initiative wirksam ist, welche potenziellen sektoralen Unterschiede bestehen und inwiefern steigende Investitionszuflüsse tatsächlich zu einer gesteigerten Beschäftigung und breitem Wirtschaftswachstum führen.

Richtige Richtung, Ausbaufähige Umsetzung

Insgesamt kann die CwA-Initiative einige Erfolge vorweisen. Wie die Aufnahme von bisher 15 Mitgliedern und Verhandlungen mit weiteren Interessenten zeigen, wird sie trotz geringer Finanzvolumina von einer Reihe afrikanischer Länder angenommen. Im Vergleich zu früheren Initiativen hat sie auch bedeutende Schritte hin zu mehr afrikanischer Agency vollzogen. Die bisherige empirische Forschung ermittelt zwar positive Effekte der Compacts bei ausländischen Direktinvestitionen und Exporten, allerdings erlaubt die verwendete Methodik keine eindeutigen Aussagen. Durch gezielte Anpassungen wie eine stärkere Ausrichtung des Reformrahmens auf inländische Investoren – zum Beispiel durch die Förderung eines Steuersystems, das den Erfolg kleiner und mittlerer Unternehmen begünstigt – könnte die Wahrscheinlichkeit positiver Investitionseffekte erhöht werden. Ob die erhofften längerfristigen Wachstumseffekte der CwA realisiert werden können, kann durchaus in Zweifel gezogen werden, auch weil das Konzept vage bleibt hinsichtlich der Mechanismen, über die Wachstum erzeugt werden soll. 

Mit ihrem Fokus auf Privatinvestitionen decken die CwA einen wichtigen Teilbereich der Entwicklungsfinanzierung ab. In Zeiten dramatischer Kürzungen der Budgets für Entwicklungszusammenarbeit wird es für afrikanische Regierungen darüber hinaus immer wichtiger, zusätzliche inländische Ressourcen zu mobilisieren, um unter anderem staatliche Investitionen in Infrastruktur und andere öffentliche Güter zu finanzieren, die wiederum private Investitionen profitabler machen können. In einigen afrikanischen Ländern enthalten die Compacts schon Reformen, die auf eine Stärkung der Steuerbasis abzielen, die Verzahnung zwischen öffentlichen und privaten Investitionen könnte aber noch systematischer in die CwA integriert werden, um den größtmöglichen Gesamteffekt zu erzielen.

Prof Dr Rainer Thiele ist Projektleiter von Megatrends Afrika,  Direktor der "Kiel Institute Africa Initiative" des Kiel Instituts und  Honorarprofessor an der CAU Kiel. 

Tomke Necker ist Research Assistant in der ‘Kiel Institute Africa Initiative’ des Kiel Instituts.